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31.01.2012

Web-Ankaufdienste für Spiele, Bücher, Musik und Filme: Karges Entgelt





Immensen Zulauf vermelden Online-Unternehmen, die gebrauchte Bücher und CDs, DVDs und PC-Spiele aufkaufen, um sie gewinnbringend weiter zu verscherbeln. Doch die gezahlten Entgelte sind eher karg und unterscheiden sich von Portal zu Portal erheblich, wie eine Stichprobe der Verbraucherzentrale NRW zeigt.

Gebrauchte Bücher, CDs, DVDs sowie PC- und Konsolen-Spiele - darauf haben es diverse Ankaufdienste im Internet abgesehen. Sie präsentieren sich den Besitzern alter und neuerer Medien als Alternative zu Flohmarkt, Zeitungsanzeige und Online-Auktion. Ihr Motto: "Schnell und bequem ganze Sammlungen zu Geld machen" und das zu "attraktiven Festpreisen" (Momox). Selbst Versandkosten sollen dabei kaum anfallen. Ob die Firmen ihr Versprechen halten, sollte eine Stichprobe zeigen. Bei vier Aufkäufern, darunter die Platzhirsche Momox und Rebuy, holte die Verbraucherzentrale NRW jeweils 20 Angebote für Bestseller aus dem vergangenen Jahr ein: für je fünf Bücher und CDs, DVDs und PC-Spiele. Zusätzlich fiel der Blick auf die Amazon-Tochter Trade-In, die sich bislang auf gebrauchte Bücher und PC-Spiele beschränkt.

Vorsicht, Preis-Differenzen
Die Einnahmen fielen in der 20-Bestseller-Stichprobe enorm unterschiedlich aus. Das Ergebnis: Rebuy bot mit gut 200 Euro am meisten: unter anderem für Simon Becketts Buch "Verwesung" und Keith Richards Biografie "Live", für Grönemeyers CD "Schiffsverkehr" und Springsteens CD- und DVD-Pack "The Promise", für Spiele wie "Little big Planet 2" und "Call of Duty: black ops". Momox mochte fürs Konvolut lediglich 150 Euro rausrücken, Medialux beließ es gar bei 120 Euro. Geradezu dreist erschien das knapp 60-Euro-Angebot von Blidad. Allein die Starwars-Box aus dem 20er-Medienpaket brachte über Momox fast annähernd soviel. Bei solchen Differenzen ist Vorsicht angesagt. Beispiel gefällig: das PC-Spiel "Two Worlds 2", das neu im Handel für rund 40 Euro zu kaufen war. Die Spanne der Gebote lag bei erträglichen 13 Euro (Rebuy) über 8,97 Euro (Medialux24) bis zu kärglichen 3,11 Euro (Blidad).

In einer anderen Shopping-Welt lebte Momox. Das aktuelle Game, so das ernst gemeinte Angebot, könne gegen "einen symbolischen Preis" von 1 Cent zugeschickt werden: "zur fachgerechten Entsorgung". Ein Versehen? Wohl eher nicht. Denn bei jedem vierten Stichproben-Artikel (5 von 20) gab Momox den 1-Cent-Entsorger: so bei der Extended Collectors Edition von "Avatar" auf Blu-Ray wie beim PS3-Spiel "Call of Duty: black ops".

Diverse Tücken
Grundsätzlich kommt der bequeme Weg teuer, wie ein Vergleich mit eBay belegt: Wer etwa den Mehraufwand nicht scheute und das Paket der Verbraucherzentrale per Internet-Auktion versteigerte, konnte rund 400 Euro erzielen. Ein Erlös, der doppelt so hoch wie bei Rebuy ausfiel - und sogar fast das Siebenfache wie bei Blidad brachte. Zum schmalen Salär hinzu kommen aber noch diverse Tücken:

  • Mindestverkaufswert: Geld sehen Kunden in der Regel erst ab einen Mindestverkaufswert zwischen 10 (Momox) und 20 Euro (Medialux24). Wer nicht aktuelle, sondern ältere Medien offeriert, wird zumeist mit Cent-Beträgen abgespeist. Da braucht es oft Dutzende, bisweilen gar Hunderte an Artikeln, um überhaupt einen 10- oder 20-Euro-Schein zu sehen.
  • Versandkosten: Rebuy etwa übernimmt sie ab 10 Euro Ankaufswert per auszudruckendem Versandschein. Die übrigen Aufkäufer offerieren zusätzlich die kostenlose Abholung durch einen Paketdienst. Alternativ können Absender ihr Porto vorstrecken und sollen es später pauschal zurückbekommen. Doch genaues Hingucken lohnt. Bei einigen dieser Varianten zahlen Kunden drauf.
  • Rückzieher: Sämtliche Portale in der Stichprobe behalten sich vor, weniger als avisiert zu zahlen oder das Geschäft noch platzen zu lassen. Das gilt auch für Medialux24, obwohl auf der Webseite ein "garantierter Festpreis" versprochen wird. Der Grund: Eingehende Ware wird auf Zustand und Vollständigkeit geprüft.
  • Ankaufbedingungen: Ohne zugehörige Booklets werden weder CD und DVD, ohne Schutzhülle keine gebundenen Bücher akzeptiert. Sie gehen - wie andere beschädigte oder müffelnde Artikel - retour zum Verkäufer, in der Regel "unfrei", also auf dessen Kosten. Alternativ bieten die Firmen an, missliebige Ware zu entsorgen, bzw. zu spenden.
  • Streit: Der droht, wenn Einsender anderer Meinung über den Zustand sind als die Aufkäufer - wenn es z. B. um die Frage geht, was "starke Gebrauchsspuren" sind.


Akzeptierte Second-Hand-Ware wandert meist wieder in den Verkauf: bei Rebuy auf der eigenen Homepage, bei Momox über die Domain "Medimops". Natürlich mit kräftigem Aufschlag. Während beispielsweise Rebuy fürs Paket der Verbraucherzentrale rund 200 Euro berappen wollte, lag der Verkaufspreis für die Bestseller zeitgleich bei satten 430 Euro.

Übrigens: Mittlerweile geht auch Amazon über seine Tochter Trade-In auf Einkaufs-Tour. Bislang können Interessenten allerdings nur PC- und Konsolen-Spiele, Bücher und Hörbücher eintippen. Manko allerdings: Die Auszahlung erfolgt per Gutschrift, die sich nur beim nächsten Amazon-Einkauf verrechnen lässt. Eher maue Erlöse sollten auch hier einkalkuliert werden. Das zeigte ein Vergleich mit Momox. Für ein Paket mit zehn von der Verbraucherzentrale NRW zufällig ausgewählten Buch- und Spiele-Bestsellern bot Amazon 1,50 Euro weniger.

 




© Verbraucherzentrale NRW



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